Bericht der Bramscher Nachrichten vom 09.07.2022
Ulrike Fänger erzählt Turbulente letzte Tage im Gasthof Bischof-Reddehase in Bramsche
Von Heiner Beinke | 09.07.2022, 06:38 Uhr

Aus und vorbei: Der Gasthof Bischof-Reddehase in Hesepe ist nach über 80 Jahren endgültig Geschichte. Wirtin Ulrike Fänger erinnert sich an turbulente letzte Tage, Anekdoten aus einem langen Arbeitsleben hinter der Theke und verrät, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt.
In dieser Woche hat Ulrike Fänger mal bewusst ein paar Gänge zurückgeschaltet. Der 30. Juni 2022 war offiziell der letzte Öffnungstag ihrer Gaststätte. Da war das Haus voll, nicht nur mit Stammgästen. Die Frauen des Schützenvereins kamen mit einem Fackelzug und brachten ihrer Wirtin ein Ständchen, die eine oder andere Träne wurde verdrückt. Es gab ein Feuerwerk, viele Stammgäste sagten Tschüss und überreichten zum Abschied Präsente, vorzugsweise Reisegutscheine für die Wirtin, die für Urlaub jetzt endlich Zeit hat.
Nachschlag
Doch mit dem 30. war noch nicht Schluss. Es folgte noch eine Hochzeit, die Spargeldauszahlung, ein geselliger Abend mit den Vereinen, die im Gasthaus ihre Heimat hatten, und schließlich ein Restetrinken mit den treuesten Gästen. Doch nun ist es tatsächlich vorbei.
Die Vordertür des Gasthauses bleibt verschlossen, drinnen wird in aller Ruhe aufgeräumt. „Ich sehe zu, dass ich Truhe und Kühlräume noch leer räume, dann fahre ich erstmal ein paar Tage weg“, erzählt Ulrike Fänger. Erst danach will sie sich eingehender mit der Frage beschäftigen, wie es für sie weitergehen soll.
Zukunft ungewiss
Nur eines steht dabei jetzt schon fest: Den Gasthof will sie auf keinen Fall verpachten. „Dann hängt man da doch immer irgendwie mit drin“, fürchtet die Wirtin. Mit der Gaststätten weitergehen könnte es also nur, wenn sich ein Käufer für die Immobilie findet. Das hält Ulrike Fänger selbst nicht für sehr realistisch, weil Gasthäuser auf dem Land generell nicht als Zukunftsmodell gelten und das Wagnis „in diesen unsicheren Zeiten mit Corona, hohen Energiepreisen und dem Ukrainekrieg“ zusehends unkalkulierbar ist.
Außerdem hätten denkbare Investoren „nicht nur mich in der Schublade liegen“, meint die Heseperin, die das Gerücht, ein in der Region aktiver Unternehmer aus Ankum habe sich schon bei ihr gemeldet, zurückweist: „Das höre ich immer wieder, aber Dobelmann hat sich noch nicht gemeldet“, meint sie lachend.
